Kunstkritik zur Ausstellung „Dem Himmel so nah. Wolken in der Kunst“ im Angermuseum Erfurt

Kunstkritik zur Ausstellung „Dem Himmel so nah. Wolken in der Kunst“ im Angermuseum Erfurt

Ausstellung: „Dem Himmel so nah. Wolken in der Kunst“ – Angermuseum Erfurt

Die Ausstellung beginnt mit einer verheißungsvollen Konstellation, die sich jedoch als Luftschloss erweist. Man wird zelebriert in die Nähe der Wolken gehoben, nur um auf der Ebene des Banalen zu landen. Geoffrey Hendricks’ Sky Boots II – eine originelle Idee, die Schuhe in den Himmel zu katapultieren – wirkt hier wie ein symbolischer Versuch, das Gerede über Transzendenz mit Achselzucken und kitschiger Ironie beiseitezuschieben. Doch anstatt das Medium zu durchdringen, bleibt es oberflächlicher Effekt.

Der kuratorische Griff, Wolken als Motiv zu etablieren, hat Potenzial – die Ambivalenz zwischen Bedrohung und Freiheit ist reich an Bedeutungsschichten. Stattdessen bleibt die Hängung gediegen, fast formalistisch, ohne die philosophische und visuelle Tiefenschärfe eines Caspar David Friedrichs oder eines Turner zu erreichen. Es fehlt die existentielle Unruhe, das metaphysische Beben im Blick.

Die Auswahl der Werke mag handwerklich solide sein, aber sie verpasst es, eine neue Perspektive zu eröffnen. Wo sind die experimentellen Medien, die multisensorischen Interventionen, die das Motiv Wolke nicht nur abbilden, sondern in seiner Flüchtigkeit ästhetisch choreografieren? Die kuratorische Konzeption verweilt in der sicheren Zone und scheut den Sprung ins Ungewisse – eine verpasste Chance für radikale Reflexion.

Im Vergleich zur Kunstgeschichte wirkt die Schau wie ein Zitat ohne Kontext. Ein Friedrich etwa konfrontiert uns mit der Erhabenheit des Unendlichen, Turner mit der rohen Gewalt des Lichts. Hier hingegen begegnet man einer mild angenehmen, aber doch resignierten Variante dieser Erhabenheit – zaghaft und ohne disruptive Wirkung. Es fehlt der Moment des Erschreckens, der Sublimierung, der Erkenntnis.

Auch auf institutioneller Ebene lässt die Ausstellung bemerkenswerte Defizite erkennen. Das Konzept verläuft sich in einer Ästhetik der Nettigkeit, in der keine Spannung entsteht. Der museale Raum wird nicht zum Denkraum, sondern bleibt Oberfläche. Und ohne intellektuelle Herausforderungen, ohne Diskursangebote – etwa in Form von Interventionen, Performances oder diskursiven Ergänzungen – verkommt die Schau zur dekorativen, wenngleich hübschen Nebensache.

So verabschiedet sich die Ausstellung mit dem Gefühl einer verfehlten Annäherung an ein kraftvolles Thema. Die Wolke bleibt nur Wolke, der Himmel fern, und die Kunst bleibt letztlich unversöhnt mit ihrer Emphase auf Tiefe. Eine Ausstellung, die sich lieber ziert, als zu provozieren – ein melancholischer Blick auf verpasste Höhenflüge.

Offizielle Ausstellung

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