Melancholische Differenzen: „How We Meet“ im Kunstmuseum Bochum

Melancholische Differenzen: „How We Meet“ im Kunstmuseum Bochum

Ausstellung: Yuko Mohri & Ei Arakawa‑Nash – How We Meet, Kunstmuseum Bochum

Schon beim Betreten des Raumes verflüchtigt sich jede Aura: Die versprochene Neuinterpretation der Fluxus‑Ideologie durch Yuko Mohri und Ei Arakawa‑Nash wirkt im gut temperierten Museum wie ein aufgeblasenes Echo. Die sonst so rebellischen, transgressiven Impulse der Fluxus‑Bewegung verkommen hier zu höflich inszenierter Nostalgie; es fehlt jegliche radikale Geste.

Die Nähe zu Künstler*innen wie Alison Knowles, Daniel Spoerri, Mauricio Kagel und Geoffrey Hendricks wird durch die Verweise auf die Sammlung des Hauses lediglich literarisch attestiert, nicht aber kritisch hinterfragt. Die Ausstellung bleibt intellektuell flach, sie reflektiert nicht, wie sich Fluxus in gegenwärtige Praxis einschreibt oder brüchig wird. Statt Diskussion öffnet sich nur eine leere Fensterfront.

Auch die Zusammenarbeit von Mohri und Arakawa‑Nash bleibt vage. Es fehlt an einem erkennbaren Diskurs – die Texte schweigen von Abgründen, von Widerspruch, von Innovation; sie verweilen in unentschiedener Impression. Es wird nicht deutlich, wie die Künstler*innen die Fluxus‑Sprache stören oder umschreiben wollen.

Man sehnt sich nach philosophischen Rückkopplungen: Was bleibt vom Fluxus, wenn die Provokation in Kuratoren‑Rhetorik modernisiert wird? Wo ist die Reibung mit der Gegenwart? Hier fehlt die Subversionskraft – das Potenzial zur Verschiebung, zur Auflehnung, zur Dekonstruktion.

Museal geglättet, verliert die Ausstellung ihr einziges Bindeglied zur historischen Avantgarde: den Mut zur Unordnung, zur Unmittelbarkeit, zur Unverfügbarkeit. Es bleibt ein Arrangement leerer Referenzen, das lieber formal verweilt als aneignet oder transformiert.

Diese „Fluxus‑Reminiszenz“ zerschellt an musealer Repräsentation. Der Diskurs wird zur Ordnung, die Ordnung zur Gleichgültigkeit. Ein verpasster Moment, der genauso gut hätte ausbleiben können – am Ende bleibt nur der kalkulierte Widerhall eines schon längst leeren Spiels.

Offizielle Ausstellung

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