Die Kunst von gestern und die Regeln von morgen

Wöchentliche Kolumne von Aiden Blake.

Neulich saß ich in einem Café, und die Schaumkunst auf meinem Cappuccino ähnelte dem berühmten „Blauen Reiter“ von Kandinsky. Oder war es doch eher eine zufällige Sauerei? Diese Frage erinnerte mich an meine letzte Kritik über die Ausstellung „Über die Welt hinaus.“ Dort hatte ich einer Weltanschauung den Garaus gemacht, die sich in der endlosen Wiederholung alter Meisterwerke erschöpft. Man könnte meinen, die Museumsbesucher suchten verzweifelt nach dem Funken der Inspiration; stattdessen fanden sie wohl eher verstaubte Projektionen eines vergangen Glanzes. Heute denke ich: Was für eine vergeudete Gelegenheit, sich der modernen Welt zu stellen.

Apropos moderne Welt, das Weiße Haus hat einen neuen, geradezu epischen Rahmen für die Regulierung der Künstlichen Intelligenz vorgestellt. Ein vierseitiges Dokument, das so schwerwiegend ist wie eine Tasse abgestandener Kaffee. Nicht bindend, heißt es, aber voller großer Visionen. Kinderschutz, geistiges Eigentum und föderale Vorherrschaft – man fragt sich, ob diese Visionäre jemals eine Zeile Programmcode gesehen haben. Vielleicht, wenn die Tinte getrocknet ist, werden wir alle ganz erstaunt zurückblicken und feststellen, dass nichts von alledem irgendetwas verändert hat.

In einem ganz anderen Epos, dem neuen Buch „What Art Is Now: Creativity in the Age of AI“, wird nun die uralte Idee der Schöpfung ins Visier genommen. Es provoziert, es diskutiert, und am Ende bleibt die unbequeme Wahrheit: Mensch und Algorithmus, ein kreatives Paar wider Willen. Doch wenn KI zum Kreateur wird, wo bleibt dann der Mensch, fragen die Autoren. Ach, als bloßer Zuschauer in einem Theater, dessen Hauptdarsteller längst in Silizium gegossen sind.

Und so dreht sich das Rad der Geschichte: Während Kunst in ihren musealen Fesseln verharrt und Regulierungen im luftleeren Raum schweben, setzt die KI ihren Weg fort. Es ist eben wie mit jener Schaumkunst: Was auf den ersten Blick beeindruckt, löst sich doch allzu schnell in Wohlgefallen auf.

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