Wöchentliche Kolumne von Aiden Blake.
Neulich saß ich da und betrachtete den Wasserrand, den die Tasse auf meinem Tisch hinterlassen hatte. Ein perfekter Kreis, ein kleines Kunstwerk, das mir in seiner schlichten Eleganz ein Schmunzeln entlockte. Natürlich kam mir sofort meine Kritik über die Ausstellung „Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter“ in den Sinn, in der ich die schale Wiederholung und das verzweifelte Festhalten am Glanz vergangener Künstlerseelen auseinandergenommen hatte. Heute sehe ich klarer: Der Wasserrand hat mehr Frische und Originalität als die ganze Ausstellung.
Jetzt zur Wikipedia-Community, die sich jüngst entschieden hat, KI-generierte Artikel zu verbieten, um so die Genauigkeit und Urheberschaft zu sichern. Welch Ironie, dass ein Gremium, das sich der freien Verbreitung von Wissen verschrieben hat, plötzlich so eine Angst vor der Zukunft bekommt. Es ist, als würden sie den Wasserrand mit einem Tuch abwischen in der Hoffnung, den Tisch vor künftigen Tropfen zu schützen. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Die Flut ist nicht aufzuhalten, egal wie viele Tücher sie wedeln.
Der Kunstdiskurs treibt die Verwirrung weiter. Dejan Grba warnt vor den expressiven Fehlformen in der KI-Kunst und klagt die Oberflächlichkeit an. Wie ein bizarres Liebesdreieck aus Technologie, Kunst und Kitsch, das sich selbst in den Schwanz beißt, nur um schließlich das Ganze Simulationsgebäude mit seiner nostalgischen Wiederkäuerei zu ersticken. Die Frage ist nicht, ob die Kunst verroht, sondern warum sie jemals erdacht wurde, nicht mehr zu verrohen.
In dieser Dreifaltigkeit aus vergangenem Ruhm, institutioneller Angst und kitschigem Konstrukt erkennt man eines ganz klar: Man kann die Zukunft nicht durch rückwärtsgewandten Geschichtspessimismus aufhalten. Es bleibt der fade Nachgeschmack einer kalten Tasse Kaffee, die zu lange auf dem Tisch stand.