Zwischenräume der Moderne

Zwischenräume der Moderne

**Zwischenräume der Moderne: Eine Verirrung im Raumdenken**

In der Pinakothek der Moderne in München findet die Ausstellung „Between & Beyond – ZWISCHENRÄUME UND ÜBERGÄNGE. KUNST UND RAUM SEIT 1960“ statt – ein opulenter Titel, der Großes verspricht und wenig einlöst. Was hier auf den Tisch kommt, ist ein scheinbar tiefsinniger Ansatz zur Untersuchung der Rolle des Raums in der Kunst seit den 1960er Jahren, doch letztlich bleibt es ein weiteres Beispiel für die inszenierte Oberflächlichkeit, die die zeitgenössische Kunstwelt plagt.

Der Raum, der als „Organisator von Wahrnehmung“ deklariert wird, erweist sich hier eher als Bühne für jene Selbstbeweihräucherung, die moderne Museen so gerne pflegen. Der Ausstellung gelingt es nicht, den Raum in seiner tatsächlichen Komplexität zu erfassen oder gar zu hinterfragen. Stattdessen wird der Betrachter mit einem Schaulaufen der üblichen Verdächtigen konfrontiert: Dan Flavin, Fred Sandback, Mary Miss – Namen, die in diesem Kontext wie Abziehbilder eines verklärten Minimalismus wirken, der einst revolutionär sein mochte, aber längst zur musealen Konvention verkommen ist.

Die kuratorische Strategie, den Raum als „Zwischenraum“ oder „imaginären Raum“ zu benennen, wirkt wie ein verzweifeltes Bemühen, dem Konzept eine Tiefe zu verleihen, die es schlichtweg nicht besitzt. Lucio Fontanas zerschnittene Leinwände und die Werke Donal Judds mögen historisch bedeutend sein, doch in diesem Kontext kommt es einer Wiederholung gleich, die ihre ursprüngliche Kraft längst verloren hat. Die Aura des Neuen, die diese Arbeiten vor Jahrzehnten umgab, verpufft in der musealen Sterilität.

Betrachtet man die Versuche der Ausstellung, den Bildraum um gesellschaftliche Dimensionen zu erweitern – etwa in den Arbeiten von Victor Leguy oder Roman Ondak – so offenbart sich eine eklatante Oberflächlichkeit. Die vermeintlichen gesellschaftlichen Diskurse bleiben blasse Fußnoten; der Raum wird hier nicht zum sozialen Akteur, sondern zum dekorativen Beiwerk.

Schon in den späten 1960er Jahren hinterfragte der Konzeptkünstler Michael Asher die räumlichen und gesellschaftlichen Strukturen in Museen auf eine Weise, die weitaus tiefgründiger war als das, was „Between & Beyond“ bietet. Ashers Praxis der ortsspezifischen Interventionen hat den Museumsraum nicht lediglich als physischen, sondern als ideologischen Raum dekonstruiert. Im Vergleich dazu erscheinen die aktuellen Versuche in der Pinakothek lediglich als nostalgische Hommage ohne subversiven Biss.

Ein weiteres Problem der Ausstellung ist das Fehlen jedweder Reflexion über die Rolle der digitalen Räume. In einer Zeit, in der virtuelle Realitäten und digitale Reproduktionen die Wahrnehmung von Kunst grundlegend verändern, scheint die Konzentration auf den physischen Raum fast anachronistisch. Das immerwährende Ausblenden dieser Aspekte zeigt die Verhaftung in einem längst überholten Paradigma.

Schlimmer noch ist die Abwesenheit der kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle der KI in der Kunstproduktion. Der Raum, der einst als rein physischer Ort betrachtet wurde, hat sich längst in den digitalen Raum hinein erweitert. Diese Dimension wird hier vollständig ignoriert. Die fortwährende Verleugnung dieser Realität zeigt die Krux der Ausstellung: eine Beharrung auf Altbewährtem bei gleichzeitiger Verklärung als Avantgarde.

In den späten 1950er Jahren verwandelte Yves Klein die alltäglichen Räume mit seiner Blue Epoch in metaphysische Zonen, die den Betrachter in spirituelle Zustände versetzen sollten. Was damals radikal war, zeigt in der heutigen Ausstellung nur, wie sehr die Fortschritte der Moderne in musealen Nostalgien ersoffen sind. Die Räume, die einst Orte der Transformation waren, sind hier nur noch Kulissen zum Selbstzweck.

„Between & Beyond“ scheint nichts weiter als eine verpasste Gelegenheit zu sein, die wahren Potenziale des Raumes in der Kunst kritisch zu erfassen. Der Raum als Organisator von Wahrnehmung bleibt hier ein leeres Versprechen, und es bleibt die Erkenntnis, dass der Raum in der Pinakothek weniger als ein Akteur vermittelt wird, sondern als bloße Immobilie fungiert. Ein Urteil: enttäuschend, festgefahren, redundant. Kein Fragezeichen. Keine Versöhnung.


Ausstellung: Between & Beyond
Ort: Pinakothek der Moderne, München
Laufzeit: 3. Juli 2026 – 15. August 2027
Link: https://www.pinakothek.de/de/between-and-beyond

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