Steina Vasulka – in der Welt der Medienkunst ein Name, der oft als Synonym für Pioniergeist und Innovation genannt wird. Doch betrachten wir nun die Ausstellung „Steina: Playback“ im Haus der Kunst München, so bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als zu hinterfragen, was von diesem Innovationsgeist übrig bleibt. Die retrospektive Schau, die sich über fünf Jahrzehnte erstreckt, nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch Zeit und Raum, die doch erstaunlich zeitlos und ortlos verbleibt.
Die grundlegende Frage hier – ist es die Klangfülle oder die visuelle Vielfalt, die hier dominieren soll, oder vielmehr die Symbiose beider? Steinas Werke, die sich als Dialog zwischen Klang und Bild verstehen, haben einen rühmlichen Platz in der Geschichte der Video- und Medienkunst beansprucht. Wie oft jedoch wurde dieser Dialog im Laufe ihrer Karriere zu einem Monolog der technischen Möglichkeiten, die nicht über die bloße Faszination für das Medium hinausgingen?
Steinas Ansatz, die Kamera als instrumentelles Werkzeug zu verwenden, erinnert an den Versuch, die Bildende Kunst auf eine Stufe mit der Musik zu stellen – inspiriert von einer Zeit, als Walter Ruttmanns „Lichtspiel Opus I“ (1921) oder Oskar Fischingers abstrakte Animationen in der künstlerischen Avantgarde als Synästhesie gefeiert wurden. Doch während Fischinger und Ruttmann Pioniere waren, die neue künstlerische Wege erschlossen, bleibt Steina in den Schleifen ihrer eigenen Zeit gefangen, wie ein Magnetband, das stets die gleiche Stelle abspielt.
In der Ausstellung „Steina: Playback“ dominieren die Rückkopplungsschleifen, das Wiederholen und das endlose Kreisen der Bilder und Klänge. Dies wäre erträglicher, wenn es nicht so betonhaft anmutend wäre – fest verankert in einer nunmehr historischen Vorstellung von Medienkunst. Die Werke Steinas aus den 1970er Jahren mögen zu ihrer Zeit aufregend gewesen sein, doch in unserer schnelllebigen digitalen Gegenwart wirken sie befremdlich statisch. Hier zu beobachten, wie ein Werk wie „Outer Cosmos“ (2026) versucht, an die „Orbital Obsessions“ (1975–77) anzuknüpfen, verdeutlicht die unauflösbare Verhaftung in der eigenen Vergangenheit.
Es ist eine wohlbekannte Ironie, dass die Medienkunst oft technologische Neuerungen um ihres Selbstzwecks willen feiert und dabei die inhaltliche Tiefe vernachlässigt. Die Ausstellung untermauert dies eindrucksvoll, indem sie die Zuschauer mit einer Vielzahl scheinbar bedeutungsvoller Projektionen konfrontiert, die jedoch an Bedeutung nicht gewinnen – im Gegensatz zu den bahnbrechenden Werken eines Nam June Paik, der die Möglichkeiten der Technologie nutzte, um kritisch und konfrontativ die gesellschaftlichen und kulturellen Implikationen zu hinterfragen.
Ein weiteres Problem der Retrospektive ist die Gefahr der Verklärung; die Werke werden zu Ikonen erhoben, ohne dass ihre konzeptuelle Relevanz ausreichend hinterfragt wird. Steinas Kameraführungen, die als revolutionär beschrieben werden, verlieren sich im endlosen Wiederkäuen von Selbstreferenzialität. Was uns bleibt, ist die Erinnerung an eine Künstlerpersönlichkeit, die die Kunstwelt einst herausgefordert hat, aber jetzt selbst von dieser herausgefordert wird.
Auch die Tatsache, dass die Ausstellung von Institutionen wie dem MIT List Visual Arts Center und dem Buffalo AKG Art Museum unterstützt wird, wirft Fragen auf. Diese Zusammenarbeit scheint eine historische Relevanz suggerieren zu wollen, die heute kaum noch Bestand hat. Die Ausstellung ist eine Ode an das Vergangene, die das Neue nicht mehr zu finden vermag.
Was wir hier sehen, ist kein Triumph der Medienkunst, sondern ein leises Echo einer vergangenen Zeit, unfähig, im digitalen Zeitalter mitzuschwingen. Steina Vasulka mag ihren Platz in der Geschichte behalten, aber die Werke in „Steina: Playback“ erinnern eher an museale Relikte – Objekte der Verehrung, aber nicht der Relevanz. Die Ausstellung endet, doch was bleibt, ist der Nachgeschmack einer Nostalgie, die sich selbst zelebriert.
