„In A Silent Way“ — ein Titel, der vielleicht mehr verspricht als die Skulpturen rund um die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT tatsächlich halten. Die Ausstellung im öffentlich zugänglichen Außengelände mag auf den ersten Blick als Einladung zum kontemplativen Flanieren erscheinen. Doch darüber hinaus herrscht eine unübersehbare Stille, die weniger meditativ als vielmehr konzeptuell lauwarm wirkt. Es ist, als ob man einem Orchester bei der Probe zuhört, ohne dass je ein Konzert stattfinden würde. Ein Werk, das im Schweigen verharrt und damit eine grundlegende Herausforderung der Skulpturenkunst nur allzu deutlich aufzeigt: das unverhältnismäßige Vertrauen auf die bloße Präsenz als Ersatz für inhaltliche Tiefe.
Bernhard Schreiners „Instant Sonification“ ist ein Paradebeispiel für diese Sackgasse der zeitgenössischen Außenraumskulptur. Der lokal verankerte Echtzeitklang mag auf dem Papier faszinierend klingen, bleibt jedoch in der Ausführung oberflächlich — ein akustisches Äquivalent zu einem Füllwort. Der Bezug zur Umgebung ist vermeintlich physisch, aber in Wahrheit bloß ornamental. Schreiner hat sich hier ein Terrain erschlossen, das zu klingen vorgibt und doch nichts weiter tut als das Dahintröpfeln der Zeit zu untermalen. Vergleichen wir dies mit Max Neuhaus‘ Klanginstallationen, die nicht nur den Ort, sondern auch den Betrachter transformierten, indem sie Räume hör- und fühlbar machten, so ist „Instant Sonification“ nichts weiter als ein Echo ohne Resonanzraum.
Margaret Raspés „Regentrommeln“ setzen einen Fuß in die Vergangenheit, um dort auf halber Strecke stehen zu bleiben. Die Transformation von Kindheitserinnerungen in skulpturale Form ist ein häufig beschrittener Weg, der jedoch selten zu einem neuen Ziel führt. Raspé greift auf die Jahrzehnte alte Idee zurück, wobei der Verweis auf 1988/2023 mehr von einer nostalgischen Geste zeugt als von einem künstlerischen Fortschritt. Sie bleibt hinter den Erwartungen zurück, die ein Werk wie Walter De Marias „The Lightning Field“ einst weckte, welches mit der Landschaft interagierte und die Naturgewalten einbezog — ein Dialog mit der Welt, nicht nur eine stille Erinnerung an sie.
Katja Maters Beitrag „HIC. EST. TUUM. HORA.“ lässt ebenfalls viel Raum ungenutzt. Die Koordinaten als künstlerisches Mittel sind längst ausgelutscht. Sie mögen die Geografie der Kunst ansprechen, doch was bleibt, ist lediglich eine intellektuelle Geste ohne Fülle. Es ist, als betrachte man eine Landkarte im Museum: informativ, aber nicht inspirierend. Wenn Maters Intention war, das Vergehen der Zeit und die Klammerung an einen Ort als künstlerisch bedeutungsvolle Erfahrung zu inszenieren, so bleiben diese Koordinaten wie Fixsterne in einem unübersichtlichen Raum: unverändert und unbeweglich.
In der Tradition der Skulpturen im öffentlichen Raum, die mit monumentalen Ansprüchen wie Richard Serras „Tilted Arc“ oder Anish Kapoors „Cloud Gate“ auftraten, wirken die vorliegenden Werke wie Protagonisten, die ohne Skript agieren. Sie sprechen die Sprache ihrer Schöpfer, aber nicht die des Raumes oder der Zeit. Das, was sie verkörpern sollen — ein stilles Innehalten, eine meditative Begegnung mit der Kunst — verkommt zum bloßen Vorwand für ein Projekt, das den Diskurs nicht nur vermeidet, sondern geradezu fürchtet.
Die Ausstellung „In A Silent Way“ versucht, mit minimalen Mittel zu maximaler Wirkung zu gelangen. Doch bleibt sie gefangen in der Halbherzigkeit ihrer eigenen Ambitionen. Es ist der Unterschied zwischen einem flüchtigen, fast belanglosen Besuch im Freien und einer nachhaltigen Erfahrung, die im Gedächtnis bleibt.
Die Schirn hat sich mit dieser Ausstellung in eine Position begeben, die weder den radikalen Herausforderungen der modernen Skulptur gerecht wird noch ihnen ernsthaft entgegentreten möchte. Der stille Weg erweist sich letztlich als Weg des geringsten Widerstands. Da hilft auch kein stoisches Verharren. Es bleibt ein Schweigen, das weniger von stiller Kraft als vielmehr von resignierter Stille zeugt. Kein Monument, sondern ein Fußabdruck — flüchtig und unverbindlich.
