In der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen Hamburg wird die Ausstellung „Cocktail Prolongé: F.C. Gundlach Special“ präsentiert, die sich mit der Inszenierung des Körpers auseinandersetzt. Ein Titel, angelehnt an die angeberische Vorliebe des Sammlers Gundlach, um den Austausch an einem verlängerten Cocktailabend zu pflegen. Dies ist der Kontext: Queerness, Extravaganz und die Körperinszenierung in einer vermeintlich radikalen Geste, die die Fotografie feiert. Doch was hier geboten wird, ist kaum mehr als eine stilisierte Wiederholung der klassischen Katalogisierung ästhetischer Oberflächlichkeiten.
Die Ausstellung umfasst rund 300 Werke von bekannten Namen wie Diane Arbus, Richard Avedon und Cindy Sherman. Namen, die in der Kunstwelt wie mediale Schwergewichte klingen, jedoch in der Präsentation dieser Ausstellung in die Leere der Wiederholung eintauchen. Denn anstatt einen wirklich frischen, zeitgenössischen Blick auf die Inszenierung von Körpern zu bieten, greift die Ausstellung auf bereits ausgetretene Pfade zurück. Eine Parade von Fotografien, die sich trotz ihrer historischen Relevanz in einem endlosen Kreis der Selbstzitierung verfangen.
Die Präsentation der Körper als Medium für Rollen, Fantasien und Wünsche — dies könnte der Ansatzpunkt für eine tiefgehende Analyse gesellschaftlicher Strukturen und normativer Grenzen sein. Stattdessen bleibt die Ausstellung an der Oberfläche haften, wo sie sich in der Ästhetik sonnt, ohne den kritischen Biss zu entwickeln, der notwendig wäre, um wirklich subversiv zu sein. Es ist ein Echo vergangener Radikalität, das hier in sicherer Distanz zu wahren Provokationen wiedergegeben wird.
Vergleicht man diese Ausstellung mit wegweisenden Arbeiten wie Michaelangelo Pistoletto’s „Venus of the Rags“ oder Cindy Shermans „Untitled Film Stills“, verblasst sie zu einem faden Abklatsch. Pistoletto und Sherman erschütterten ihre Zeit mit überzeugenden Aussagen über Konsum, Identität und Gender. Doch in „Cocktail Prolongé“ wird die Oberfläche der Themen nur vorsichtig gestriffen, ohne in die Tiefe zu gehen. Eine Ausstellung, die sich der Extravaganz rühmt, sollte nicht in einem Gewand sicherer Konformität erstarren.
Gundlachs Sammlung wird hier als Inbegriff von Queerness und Extravaganz gefeiert, doch was bleibt, ist eine orchestrierte Schau von Fotografien, die mehr auf ihren historischen Wert als auf ihre aktuelle Relevanz setzt. Die Werke von Robert Mapplethorpe oder Hans Bellmer, die vor Jahrzehnten noch als provokant galten, wirken in diesem Kontext seltsam zahm. Die eigentliche Gefahr, die die Fotografie birgt, wie von der Kuratorin Schnakenberg angekündigt, wird zur bloßen Behauptung ohne Belege.
Der queer-extravagante Blick auf Körperinszenierung, den die Ausstellung verspricht, wird in einem geschlossenen Rahmen präsentiert, der es versäumt, die Komplexität und den Reichtum der zeitgenössischen Debatte über Queerness und Körperpolitiken zu reflektieren. Der Versuch, die Verletzlichkeit und Unangepasstheit der Körper auszustellen, bleibt in einem aseptisch kuratierten Umfeld stecken, das mehr Wert auf die Hommage an Gundlachs Sammlung legt als auf eine wirkliche Auseinandersetzung mit kontroversen Themen.
Diese Ausstellung, die sich als Würdigung der Person F.C. Gundlachs versteht, ist in ihrem Ansatz wie ein Cocktail prolongé: ein endloses, verdünntes Gespräch, das nie die Tiefe erreicht, die es andeutet. Anstatt die Inszenierungen von Körpern in neue, bedeutungsvolle Kontexte zu stellen, wird hier nur die Fassade der Radikalität gepflegt. Was bleibt, ist eine Ausstellung, die es verpasst, den Sprung von der ästhetischen Betrachtung zu einer wirklich kritischen Auseinandersetzung zu vollziehen. Keine Frage des Potentials, sondern eine verpasste Gelegenheit. Ein Urteil — eine Schau die sich selbst im Spiegel ihrer Vergangenheit gefangen hält.
