„140 Jahre Eisenbahn in Württemberg“ von Karl-Heinz Franke, errichtet im Jahr 1985, erweist sich heute als prophetisches Meisterwerk, das die Missstände der modernen Deutschen Bahn mit einer fast beklemmenden Präzision vorwegnimmt. Dieses monumentale Konstrukt aus rostigen Zahnrädern und mechanischen Bauteilen scheint nicht nur die historische Leistung der Eisenbahn in Württemberg zu feiern, sondern – wie ein mahnender Vorbote – auf den gegenwärtigen Zustand der deutschen Bahninfrastruktur hinzudeuten. Die Kälte und Rohheit des Werks sind heute eine bitter notwendige Metapher für den Verfall und die Fehlentwicklungen, die das deutsche Bahnsystem seither erfasst haben.
Betrachtet man dieses Werk mit den Augen eines Beobachters von 2024, so wird klar: Die rostrote Farbgebung und die industrielle Ästhetik verkörpern das, was die Deutsche Bahn heute für die meisten Pendler symbolisiert – Rost, Stagnation und eine Art fatalistische Akzeptanz des allgegenwärtigen Zerfalls. Franke, dessen Vision zu seiner Zeit womöglich als Ode an den Fortschritt der Mechanisierung verstanden wurde, wirkt rückblickend beinahe zynisch, als habe er die Trägheit und Unzuverlässigkeit, die heute das Synonym der Deutschen Bahn sind, schon damals antizipiert. Während die Maschinenteile in diesem Denkmal ohne Dynamik und Schwung aufeinandergestapelt scheinen, sind sie ein perfektes Abbild eines Systems, das in der Gegenwart von verspäteten Zügen, maroden Gleisanlagen und absurden Bauprojekten wie Stuttgart 21 geplagt wird.
Ah, Stuttgart 21 – das Endlosprojekt, das wohl in die Annalen der Fehlplanung und Verschwendung eingehen wird. Wenn man vor Frankes Denkmal steht, fühlt man fast den Stau der Baustellen, die endlosen Verzögerungen und die unermüdliche Bürokratie, die dieses Projekt kennzeichnen. Dieses Werk scheint, als hätte es den Trümmerhaufen der Baustelle Stuttgart 21 bereits vorweggenommen. Die sinnlose Stapelung von Maschinenteilen reflektiert auf einer nahezu erschreckenden Ebene die verworrenen und planlosen Entscheidungen, die zu diesem Projekt geführt haben. Der immer wieder verschobene Fertigstellungstermin, die explodierenden Kosten – sie alle finden in der chaotischen Struktur dieses Kunstwerks eine bittere Entsprechung. In seiner Statik spiegelt sich die lähmende Langsamkeit wider, mit der Stuttgart 21 sich entwickelt, oder besser gesagt, nicht entwickelt. Wie diese rostigen Zahnräder, die nirgendwohin führen, scheint auch Stuttgart 21 ein Projekt zu sein, das letztlich zu keinem befriedigenden Ende kommen wird.
Was Stuttgart 21 jedoch auf groteske Weise perfektioniert, ist das Symbol eines einst funktionierenden Systems, das durch Bürokratie, Inkompetenz und finanzielle Kurzsichtigkeit in den Ruin getrieben wurde. Frankes Denkmal, einst vielleicht als heroischer Blick auf die Eisenbahngeschichte gedacht, ist nun ein stummes, aber unmissverständliches Zeugnis dieses Bankrotts. Die rostigen Räder, die einst vorwärts schritten, stehen heute still – genauso wie der Fortschritt, den Stuttgart 21 einst versprach, aber nie lieferte.
Doch was bleibt uns von der Deutschen Bahn, wenn nicht der Rost? Verspätungen, teure Tickets und frustrierte Passagiere. Diese Industrie-Relikte in Frankes Werk sind nicht nur Maschinen – sie sind die Metapher für ein System, das sich in der Endlosschleife technischer und logistischer Mängel verliert. Jeder Zahn dieses Denkmals ist ein Sinnbild für das immer langsamer drehende Getriebe der Deutschen Bahn, das nur noch selten seine eigentliche Funktion erfüllt.
Es ist bemerkenswert, wie ein Kunstwerk aus den 1980er Jahren heute als solche präzise Kritik fungiert. Die Fixierung auf das Material, auf den industriellen Apparat, der hier so grotesk in den städtischen Raum gesetzt wurde, spiegelt die kalte Funktionalität eines Eisenbahnsystems wider, das den Bezug zu den Bedürfnissen seiner Nutzer längst verloren hat. Im Gegensatz zu den Visionen der Bahn als Verbindung und Mobilitätsgarant, wie sie einst gepriesen wurde, zeigt Frankes Werk die Entfremdung zwischen Mensch und Maschine auf. Heute, wo die Deutschen Bahn kaum mehr als ein Inbegriff für Misere ist, könnte dieses Denkmal nicht treffender sein.
Was uns bleibt, ist der bittere Beigeschmack von Verfall, verpassten Gelegenheiten und einem Fortschritt, der nie wirklich in die Realität umgesetzt wurde. Es ist fast so, als hätte Franke uns 1985 vor der Bahn gewarnt, die wir 2024 ertragen müssen: Eine monströse Maschine, die sich selbst überlebt hat, ein verrosteter Koloss, der zwar imposant aussieht, aber letztlich zu nichts mehr in der Lage ist.